Mittwoch, 7. August 2013

bescheidenes Experiment

Ich war gerade im Urlaub und dachte mir eine komische Variante der Astrofotografie aus...
Aus:
- OPTUS 60/700 AZ Goto-Teleskop
- Panasonic Lumix DMC-TZ10 Kamera mit 12fachen optischen Zoom
- Rollei biegbarem Gummistativ, der um das Teleskoprohr umgewickelt wurde
habe ich auf dem Dach eines Häuschens eine improvisierte Sternwarte gemacht:
Das Teleskop hat eine Vergrößerung die nicht beeindrucken kann, schon ob der geringen Rohrbreite. Allerdings ist es deshalb interessant, weil es motorisiert und computergesteuert ist (mit Bedienung die jener in Steinberg ähnelt, man glaubt es kaum). Koordinaten eintragen, zwei helle Sterne finden und Teleskop darauf ausrichten, Uhrzeit bekannt geben, und schon kennt das Gerät den ganzen Himmel und findet das Sichtbare und das Unsichtbare - in seinem Computer hat er jede Menge Deep Sky Objekte, die meisten bekannten Sterne und die Planeten sowieso. Einmal gefunden, folgt es der Bewegung der Objekte am Himmel mit seinen Motoren ruhig und unauffällig.

Und jetzt kommt der Trick: Durch das Okular oder durch das Rohr zu fotografieren fand ich hier recht unpraktisch. Die Öffnung ist jedenfalls zu klein und gibt nix her... Aber: die Kamera hat ein tolles Zoom (12x optisch, bis auf 16x digital). Und so dachte ich mir, ich lasse die Kamera einfach mit dem Teleskop mitschauen und Bilder schießen. Die Kamera hat ein Nachtprogramm mit Aufnahmezeiten von bis zu einer Minute und automatischem Stacking - echt toll.
Bislang konnte ich - ohn Teleskop - nur stimmungsvolle Bilder damit machen, jedoch keine ernsthaften Sternvergrößerungen weil die Sternbewegung einfach nicht zu verfolgen war bei den langen Belichtungszeiten. Und da kommt mir die Teleskopdrehung entgegen!

Nach 2-3 Testbilder gelang mir dieses Foto der Pleiaden:


 
und dieses von der Umgebung der Cassiopeia:

 
(die echten Fotos sehen um einiges Schärfer als hier in diesem Blog aus, ich schwör's ;-))
 
Das Ergebnis brachte mir folgende Erkentnis: die Nachführung ist zwar viel hilfreicher als wenn man nichts hat, allerdings ist sie nicht präzise genug um 1 Minute lang belichten zu können. Allerdings wurden alle Bilder mit dem mittleren Zoom gemacht, mit dem maximalen Zoom konnte ich auf dem Display nichts mehr erkennen weil der Stativ doch zu wackelig war. Mit etwas besserer Ausrichtung der Kamera mit dem Teleskop hätte ich sicherlich auch stärker zoomen können und damit auch mit kürzeren Belichtungszeiten die nicht gerade beste Präzision der Nachführung ausgleichen.
Mit einer Minute kann man auf den Fotos schon kleine Sternbewegungen erkennen, mit einer halben Minute und dafür einem höheren Zoom wäre das Foto vielleicht besser gewesen.
Na ja, man muss immer etwas für das nächste Mal belassen...

Ich war jedenfalls angenehm vom Bild der Pleiaden überrascht, weil ich sie mit bloßem Auge als einen Fleck am Himmel erkennen konnte und nun auch ein schönes Bild davon habe.

Die Bilder lassen sich mit jenen der länger im Feld tätigen Profis natürlich nicht messen. Das war aber auch nicht mein Ziel, sondern ein Bild zu machen, das mehr zeigt als man mit dem Augen alleine sehen kann oder mit der Kamera ohne Teleskop-Nachführung fotografieren kann.

Was hätte Messier dafür gegeben :-)

Für Kommentare bin ich dankbar
Euer
Tihomir

Kommentare:

  1. Die deiner Meinung nach "bescheidene" Technik wird auch von erfahrenen Amateuren eingesetzt und kann auch sehr schöne Astrophotos ermöglichen ("Piggyback"): http://lexikon.astronomie.info/foto/serie/serie_10.html
    lg Gerhard

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    1. Naja, die Bescheidenheit bezieht sich dabei auf folgende Details:
      1.) Die Ausrichtung der Kamera erfolgte manuell und war unpräzise. Für länger dauernde Belichtungszeiten ungeeignet.
      2.) Die Befestigung ist unprofessionell, da mein Teleskop keinen Aufsatz dafür hat. Vielleicht besorge ich eine Rohrschelle statt dem wackeligen Gummistativ :-)
      Gerade wegen 1+2 war ich ob der entstandenen Fotos sehr positiv überrascht.
      LG
      Tihomir

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